Digitale Transformation – neue Trends im Requirements Engineering

Autoren: Stefan Riegels, Rene´Schröder

Wozu sind immer mehr Anforderungen notwendig? Sind wir nicht schon im höchsten Maß dynamisch und agil? In Zeiten rasant voranschreitender Entwicklungstechnologien wirkt bereits der Begriff „Anforderungsmanagement“ schwerfällig. Den radikalen Wandel vor Augen, benötigen Unternehmen eine zentrale Kraft zum Steuern von Prozessen und Automationen. Digitale Transformation braucht Methode, Requirements Engineering unterstützt aktuelle Trends und schickt dafür täglich neue Innovationen ins Rennen – mit großem Erfolg.

Digitalisierung als Herausforderung

Digitale Projekte ohne RE sind meist zum Scheitern verurteilt. Obwohl Requirements Engineering für Dienstleister und Kunden wertvolle Lösungen bieten, bedarf es zeitlicher Ressourcen von beiden Seiten. Verschiedene Bereiche wie etwa der Kauf eines Autos, sind von gewissen Anforderungen geprägt. Eine digitale Konfigurationssoftware bietet dem zukünftigen Autoinhaber die Möglichkeit, eine perfekte Auswahl zu treffen. Ähnliches gilt für Bauprojekte, Fertigungs-IT, Automationen ganzer Prozessketten und die Dokumentation. Ohne RE würde es in nahezu allen Industrien keine digitale Kommunikation zwischen KI, Maschine und Mensch geben. Bewusst angewendet, sorgt RE immer dann für Erfolge, wenn Parteien aufgrund verschiedener Kommunikationsschwierigkeiten durch diese Fachanwendung einen Geschäftsabschluss verzeichnen können.

Ein Requirements Engineer versteht sich als interdisziplinärer Brückenbauer zwischen IT und Zielgruppe, Hersteller und Konsument, Industrie und Rohstofflieferant. Anforderungen richten demnach ihren Fokus auf Erwartungshaltungen und damit verbundenen Zielen. Sind diese Parameter abgeklärt, können Projekte an den Start gehen. Neben klassischen Methoden wie dem Produktdesign gibt es immer mehr agile Vorgehensweisen, die sich spontan auf digitale Herausforderungen einstellen. RE ist einer der essentiellsten Faktoren für das Gelingen bestimmter Vorhaben, und trotzdem greifen etablierte Werkzeuge des Requirements Engineers zur Steuerung im digitalen Wandel viel zu kurz. Im Bereich des Anforderungsmanagements ist absolute Flexibilität gefragt, denn technische Systeme und Software können nur dann erfolgreich integriert werden, sofern alle Requirements eindeutig, widerspruchsfrei oder vollständig spezifiziert sind.

Interessenkonflikt – Stakeholder vs. Requirements Engineer

Nur wer die Interessen, Bedürfnisse und Vorlieben von Stakeholdern kennt, weiß, was diese erwarten. Folglich werden Analyse, Identifikation und Kommunikation zum zentralen Bestandteil von RE. Sind zumindest Teile der Anforderung klar definiert, muss der Requirements Engineer eine digitale Softwarelösung zur vorhandenen Aufgabenstellung finden. Der zukünftige Trend: ein bewegliches Ziel. Im digitalen Wandel ändern sich die Rollen des RE fundamental, immer mehr Projekte finden sich in der digitalen Transformation wieder. Sie basieren auf der Anforderungsanalyse und treiben Innovationsprozesse voran, die sich wie eine flexible Klammer über das gesamte Vorhaben legt. Allgegenwärtig sind eine Reihe von Problemstellungen und Erwartungshaltungen der Stakeholder, die aus der Sicht des Requirements Engineers den eigentlichen Trend ausmachen.

Digitale Skills & analoge Kompetenzprofile bilden den perfekten Mix für eine erfolgreiche Umsetzung. Während aktives Zuhören und Beraten für Interessenten beinahe denselben Stellenwert einnimmt wie die praktischen Erfahrungen mit Tools zur Datenaufbereitung und Visualisierung, sorgt ein weiterer Soft Skill für Mehrwert: generalistisches Denken. Zur Lösung einer Aufgabenstellung benötigt man das Grundverständnis des Kontexts. Gute Ideen zu vermitteln, heißt als RE ein zuverlässiger Architekt in Digitalisierungsfragen und im Requirements Management zu sein. Kundenfreundlich werden Randbedingungen, Begeisterungsmerkmale, Funktionswünsche, Normen als auch Ziele entwickelt. Stakeholder und RE schaffen in diesen Punkten eine gemeinsame Basis zur digitalen Weiterentwicklung von Software, Produkten und Systemen. So versteht sich Requirements Engineering nicht mehr als statische Phasentätigkeit, sondern vielmehr als kontinuierliche Aufgabe.

Perfekte Symbiose – RE als Proxy Product Owner

Damit kein klaffendes Loch zwischen den Rollen als Dienstleister und Produkteigentümer aufkommt, übernimmt der RE als Proxy Product Owner 100 % aller Anforderungen. Das Prinzip dieser agilen Lösung basiert auf I&A (Inspect and Adapt), einem funktionsübergreifenden Modus. Mit persönlichem Interesse an KI, Datenbanken und anderen Kernthemen braucht ein erfolgreicher RE im Zeitalter der Digitalisierung zumindest zwei Industrien, aus denen er wertvolle Erfahrungen einbringen kann. Die proaktive Haltung geht Spannungen, die im System verankert sind gezielt aus dem Weg und öffnet das Tor zur iterativen Entwicklung von kundenzentrierten Anforderungen. Business Process Model and Notation, kurz BPMN und Decision Model and Notation (DMN) machen das Wissen über Unternehmensprozesse und Geschäftsmodelle transparent, sorgen für interdisziplinäres Verständnis bzgl. der bestehenden Anforderungen und legen die Basis für Automatisierungen. Aus diesem Grund sind RE im Tagesgeschäft agil und vermeiden systemische Konflikte. Sie behalten Scope (Backlog Management) und Kosten im Griff, achten auf detailstimmige Lösungen und holen bei Bedarf VIPs ins Boot.

RE bringt Ordnung ins Chaos

Die unübersichtliche Vielfalt verschiedener Anforderungen macht aus dem Requirements Management einen zentralen Fixpunkt für Unternehmenserfolge. Ein Meisterstück digitaler Handwerkskunst kombiniert mit Tools aus allen Bereichen: Analyse, Identifikation, Big Data, Dokumentation, Kontrolle, Verwaltung und Produktion. Dabei wägt der RE konkret praktische Fragen in der Diskussion auf und skaliert in einem agilen Prozess notwendige Standards. Passend dazu verändert sich bei jedem Projekt die Anforderung, Herausforderung und Lösung. So wird aus einer Standardsoftware ein Customized-Tool mit spezifischem Oberflächendesign oder aus einem Konfigurator das leichtgewichtige Pendant zur perfekten Ausstattung eines Fahrrades. Widersprüchliche Inhalte, nutzlose Informationen und verwirrende Diagramme können in dieser dynamischen IT-Welt der Digitalisierung keinen Schaden mehr anrichten – dafür sorgt das neue, interdisziplinäre Profil des RE mit direktem Blick auf UX Design, Usability Engineering und Softwareentwicklung.